Dieser Artikel ist eine Übersetzung des hervorragenden Artikels von Andrew Knight (DipECAWBM [AWSEL], PhD, MRCVS, FOCAE) europäischer Veterinärmedizin-Spezialist für Tiergesundheitswissenschaft, Ethik und Recht sowie Mitarbeiter des Oxfort Centre for Animal Ethics. Auf seiner Internetseite www.vegepets.org informiert er ausführlich über den Zustand und Ethik des Fleischfutters sowie vegane Ernährungen für Hunde und Katzen. Zudem sammelt er Adressen aller Hersteller veganer Futtermittel. Dieser Artikel stellt die Übersetzung des Hauptartikels dar, der Anhang (Appendix) wird auf seine Seite verlinkt und ist damit nur auf Englisch verfügbar. Mir war es ein hohes Anliegen diese zusammengetragenen Informationen ins Deutsche zu übertragen und damit weiterzuverbreiten. – Sandra Ananda

 

Einleitung

Der Tod und das Leiden, das etwa 50 Milliarden jährlich geschlachteten Hühner, Schweine, Schafe, Kühe und anderen Tieren der intensiven und extensiven Landwirtschaft zugefügt wird, sowie einer ähnlichen Zahl intensiv bewirtschafteter oder wild gefangener Fische, um den Wunsch einiger Menschen nach Fleisch zu befriedigen, wurde ausgiebig dokumentiert; ebenso wie die schädlichen Umwelteinflüsse von intensiver und extensiver Tierhaltung.

Aufgrund ethischer Bedenken einer wachsenden Zahl veganer Tierbesitzer, sowie aufgrund medizinischer Umstände wie Allergien, die von einer Ernährung mit Rind, Lamm und anderen fleischbasierten Nahrungsbestandteilen im Futter verursacht werden, wurden erste vegane Tierfutter-Marken entwickelt. Dennoch bleibt die pflanzliche Ernährung von Katzen bis heute ein deutlich kontroverses Thema, das durch viel Ignoranz gegenüber den entsprechenden Gesundheits- und Ernährungsfragen eben auch von Tierärzten und anderen erfahrenen Tierpflegern verschärft wird.

Um Tierbetreuer, Tierpfleger und Tierärzten zu helfen ein umfassenderes Verständnis dieser Fragen zu gewinnen, untersucht diese Seite die evolutionäre Anpassung von Katzen, die jene mit einer karnivoren Ernährung in ihrer ursprünglichen Umgebung ausgestattet hat, sowie das entsprechende natürliche Verhalten von Katzen. Der Artikel untersucht die Anforderungen an Schmackhaftigkeit, Ernährungs- und Bioverfügbarkeit von veganer Katzennahrung und beschreibt gesundheitliche Vorteile einiger Katzen nach der Umstellung auf solide vegane Kost. Auch werden Hinweise zur Vorsorge von Harnalkalisierung und Harnwegsblockaden gegeben, die bei einem kleinen Prozentsatz v.a. bei Katern auftreten, die dafür insbesondere prädisponiert erscheinen. Schließlich untersucht dieser Text die Notwendigkeit zur Qualitätskontrolle veganer Katzenernährung.

Vegane Katzen

Die vielleicht bekannteste vegetarische „Katze“ Amerikas war eine verwaiste Löwin namens Little Tykes. Aufgezogen von Georges und Margaret Westbeau in den 1950ern in einer Menagerie [Vorläufer zoologischer Gärten] freundete sich Little Tykes mit anderen geretteten Tieren wie Lämmern, Hirschen und Schwänen an und verweigerte von sich aus jeden Versuch der Westbeaus mit Fleisch gefüttert zu werden. Berichten zufolge verweigerte sie ebenso Milch, unter die winzige Mengen Blut gemischt wurde (Westbeau 1986).

Afrikanische Löwen besitzen kurze, kräftige Kiefer und haben Schädel, die hervorragend auf das Töten und Essen natürlicher Beutetiere wie Gnus, Zebras, Gazellen, Impalas und Giraffen angepasst sind. In die Verzweiflung durch tierärztliche Behauptungen getrieben, dass Little Tyke ohne Fleisch schwer krank würde, verkündeten die Westbeaus eine $1.000 Belohnung für jene, die es schafften ihr einen Weg zu entlocken doch noch Fleisch zu essen. In der Zwischenzeit bestanden die Mahlzeiten aus zwei Händen voll gekochter Körner, die wegen ihres hohen Protein-, Kalzium-, Fett- und Ballaststoffgehalts gewählt wurden, zusammen mit einem halben Liter Milch und zwei Eiern. Da Little Tyke Knochen ablehnte, gaben die Westbeaus ihr zum Schutz von Zähnen und Zahnfleisch, Gummistiefel, die mit Parfum benetzt waren, für die sie eine hohe Affinität zeigte. So ein Stiefel hielt fast einen Monat (Westbeau 1986).

little-tyke

Mit vier Jahren wog diese Afrikanische Löwin 352 Pfund bzw. 160 kg. Ihr gestreckter Körper maß 10 Fuß 4 Zoll bzw. 3,15 m in der Länge und sie konnte 40 Meilen bzw. 64 km pro Stunde laufen. Einer der fähigsten Zoo-Kuratoren Amerikas sagte, dass Little Tyke die Beste ihrer Spezies sei, die er je untersucht habe. Sie zeigte keinerlei Anzeichen von Mangelernährung und so beendeten die Westbeaus endlich ihre Versuche ihr Fleisch zu füttern und gaben schließlich auf, sich um die Warnungen der Tierärzte zu sorgen. Sie starb letztlich an einer viralen Lungenentzündung, während sie unter Vertrag bei stressigen Dreharbeiten einer TV-Episode war (in denen sie einen Tag alte Küken leckte, mit Lämmern, einem Kätzchen und der siebenjährigen Produzententochter spielte), die während einer Hitzewelle stattfanden (Westbeau 1986).

Bisher wurden Hunderte Katzen in üblicher Größe erfolgreich vegan ernährt – teilweise seit vielen Jahren. Zahlreiche Berichte dieser Katzen finden sich auf den Webseiten der Hersteller veganer Tiernahrung.

Auch einige Tierheime nutzen diese Ernährung, was angesichts des Potentials zur Beobachtung der Ernährungswirkung in größeren Populationen besonders interessant ist. Stan Petrey (1998), Mitgründer und Geschäftsführer des Home At Last Tierheim in Kentucky, erklärt die Philosophie die ihrer Wahl der veganen Ernährung (ohne Milch, Eier und andere tierische Produkte) für ihre 70 bis 80 Hunde und Katzen zugrunde liegt und die beobachteten Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere:

„Es tobt eine philosophische Debatte in der Tierrechtsgemeinschaft wenn es darum geht das Konzept von „no-kill“ Tierheimen zu begreifen. Die Fragen konzentrieren sich in der Regel nur auf das Schicksal der heimatlosen Katzen und Hunde; oft fehlen in der Diskussion die Zahlen der ermordeten „Nutztiere“, die an jene Heimtiere verfüttert werden. Vielleicht variiert die Definition von „no-kill“ je nachdem welche Tierart als Haustier angesehen wird. Die Rettung einer Spezies auf Kosten einer anderen widerspricht der Definition eines Schutzraumes. Tierleidfreies Essen ist das Herzstück der Home At Last Mission – eine herausfordernde aber nicht unmögliche Aufgabe.

Die Umsetzung einer veganen Ernährung für die verschiedenen Home At Last Bewohner ist je nach Tierart verschieden. Hunde passen sich schnell und bereitwillig dem Veganismus an… Die erste Mahlzeit aller neu geretteten Hunde ist jetzt vegan. Die Hunde zeigen alle Zeichen guter Gesundheit. Sie sind energisch und doch emotional ausgeglichen. Kühle Köpfe sind wichtig, da unsere Hunde in quasi-natürlicher Umwelt in kleinen Rudeln in großen Gehegen leben. Einige dramatische Verbesserungen der Gesundheit können auf die Ernährung zurückgeführt werden…

Der Umstellungsprozess für Katzen beinhaltet das Mischen von Fleischfutter mit hausgemachtem Nassfutter. Nach einigen Tagen wird die Abendmahlzeit zu einer veganen Kombination aus strukturiertem pflanzlichen Eiweiß, Vegecat Nahrungsergänzung, Kürbis, Süßkartoffel, Nahrungshefe, Öl und Gemüsebrühe umgestellt… Eine unserer Katzen, McBane, sollte operiert werden, da sie häufig an Darmverschlüssen und Magenproblemen litt, bevor sie vegan wurde. McBanes Darm und Harnfunktion hat sich seit dem Ernährungswechsel erheblich verbessert; nach einem Jahr veganer Kost erscheint sie gesünder und zufriedener denn je. Tatsächlich gibt es keine ernährungsbedingten Probleme bei unseren Katzen, die zurzeit von 4 Monaten bis zu einem Jahr vegan leben. Je tiefer wir in das Projekt einsteigen, umso selbstbewusster können skeptische Fragen von uns beantwortet werden. ‚Das ist nicht ihre natürliche Nahrung‘ ist eine häufige Erwiderung. Aber ist eine Tüte voll „Kadaverbeseitigungs-Überraschung“ die natürliche Ernährung von Hunden und Katzen? …

Hoffentlich überdenken immer mehr Tierärzte die unbegründete Ablehnung der vegetarischen Ernährung von Hunden und Katzen. Beth Johnson, D.V.M., bemerkte kürzlich: ‚Die Home At Last Hunde und Katzen sind in ausgezeichneter Verfassung. Die Hunde sind begeistert, haben strahlendes Fell und zeigen keinerlei Anzeichen von Mangelernährung. Die Katzen, die drinnen gehalten werden, erscheinen ebenso sehr gesund ohne Hinweise auf jeglichen Nährstoffmangel.‘“

Evolutionäre Anpassung an eine karnivore Ernährungsweise

Hunde können biologisch als Omnivore (Allesfresser) eingestuft werden, da sie die Fähigkeit besitzen in ihrer natürlichen Umgebung von einer gemischten Ernährung aus tierischen und pflanzlichen Quellen zu leben. Im Gegensatz dazu sind Katzen als Karnivore klassifiziert, da ihre evolutionär anatomische, physiologische und biochemische Anpassung an einen fleischfressenden Lebensstil sie darin hindert ausgiebigen Nutzen aus den verfügbaren pflanzlichen Materialien ihrer natürlichen Umgebung zu ziehen. Sowohl wilde Katzen als auch Hunde konsumieren Pflanzenmaterial, welches hauptsächlich aus dem Darm ihrer Beute stammt. Die ernährungsphysiologischen Grenzen der natürlichen Umgebungen sind jedoch nicht relevant für Tiere, die mit einer künstlichen Mixtur aus Fleisch-, Pflanzen-, Mineral- und/oder synthetischer Kost gehalten werden – wie es bei den meisten domestizierten Katzen und Hunden heute der Fall ist.

Unnatürliches Verhalten?

Kritiker behaupten manchmal, dass die vegane Ernährung von Katzen deren Rechte auf den Ausdruck eines natürlichen Fressverhaltens verletzen und sie behaupten, dass kommerzielles fleischbasiertes Futter ihnen jenen größeren Ausdruck des Verhaltens erlaubt. Diese Behauptung verdient eine genauere Untersuchung.

Das natürliche Jagdverhalten der Katzen war auf eine Vielzahl kleiner Säugetiere, Vögel und größerer Insekten gerichtet, die im Umfeld der Katze anzutreffen waren. Tötungen resultierten im Fressen von so viel Kadaverteilen wie möglich, sodass diese nicht von Wettbewerbern gegessen werden konnten. Darauf folgten Hungerperioden von ungewisser Dauer.

Die Fressgewohnheiten der normalen Hauskatzen sind weit von ihrem natürlichen Muster entfernt. Katzen mit kommerzieller fleischbasierter Kost bekommen typischerweise regelmäßig ein oder zweimal am Tag Dosenfutter, das durch ad libitum [stets] verfügbares Trockenfutter ergänzt wird. Kommerzielles fleischbasiertes Futter beinhaltet:

  • verschiedene Tierkörperteile, Schlachtabfälle, 4-D Fleisch („dead“, „dying“, „disabled“, „diseased animals“ – „tote“, „sterbende“, „behinderte“, „erkrankte Tiere“), Supermarktablehnungen, Styropor-Verpackungen, verwertete Hunde und Katzen aus Tierheimen, manchmal mit nachweisbaren Mengen von Einschläferungsmitteln;
  • altes Restaurantfett komplett mit hohen Konzentrationen von gefährlichen freien Radikalen und Transfettsäuren;
  • Bakterien-, Prozotoen-, Pilz-, Virus und Prionen-Verunreinigungen, zusammen mit verschiedenen Endotoxinen und Mykotoxinen;
  • Hormon- und Antibiotikarückständen;
  • und gefährliche Konservierungsmittel.

Tierarzt Dr. David Jagger formulierte in der Vegepet Gazette, dass fleischbasierte Ernährung bedeute:

  1. „das Domestizieren von Katzen und das Abhalten von Katzen ihr eigenes Futter zu jagen;
  2. das Töten von buchstäblich Millionen von Hühnern, Rindern, Schafen, Pferden, Fischen etc. um Haustiere zu füttern. Es ist schwer zu verstehen, dass Katzen ein Recht auf das Essen von Tieren haben, die, wie oben gelistet, niemals zu der Ernährung einer wilden Katze gehören würden. Darüber hinaus zeugt die Verfütterung von kontaminierten und als ungenießbar für den Menschen deklariertem Fleisch von einer absichtlichen Gesundheitsgefährdung der Katzen und ist näher an einer Verletzung als Förderung der Rechte von Katzen.“

Häufig wird fischbasierte Kost trotz der hohen PCB- und Schwermetallwerte sowie anderer Giftstoffe angeboten und zwar trotz der Tatsache, dass Fische keine natürlichen Beutetiere für Katzen sind. Wie Gillen (2003) treffend formuliert:

„Probieren Sie Folgendes: Lassen Sie das Frühstück Ihrer Katze einen Morgen ausfallen und bringen Sie sie stattdessen zum Strand. Vom Hunger getrieben wird welcher natürliche Trieb wohl einsetzen? Wie hoch sind die Chancen, dass Ihre Katze in das Wasser springt, fünfzig Meilen oder so in den tiefen Ozean schwimmt und sich dort ein 1200 Pfund Tier (ein ausgewachsener Thunfisch kann so groß wie ein Pferd werden) in einem Unterwasserkampf auf Leben und Tod ergattert, um die fischbasierte Katzennahrung zu bestätigen? Die Idee, dass Fisch eine natürliche Nahrung für Katzen ist, ist absurd.“

Auch Tassen voll Milch werden häufig angeboten, obwohl ein signifikanter Anteil der Katzen laktoseintolerant ist. Anders als bei Möven und Sturmvögel, die Seelöwenmilch trinken [Anm.: Seelöwenmilch ist die einzige bekannte natürlich laktosefreie Milch] und Menschen, die Kuh- und Ziegenmilch trinken, ist das Trinken von Milch bei Erwachsenen und erst recht artfremde Milch in der Natur unbekannt, und es ist ganz sicher unbekannt für Katzen. Die offensichtliche Freude von vielen Katzen Kuhmilch, fisch- und fleischbasiertes Trocken- oder Dosenfutter, vegetarische Kost und andere Lebensmittel, die in der Natur nicht für sie vorhanden sind, ist keine Reflexion von natürlichem Fressverhalten mehr, ebenso wenig wie die Freude von Kindern an Süßigkeiten – und , in einigen Fällen, auch nicht gesünder.

Tatsächlich bevorzugen Katzen kommerzielle Katzenfuttermarken nicht weil sie ihnen besonders „natürlich“ erscheinen, sondern weil sie durch Zusatzstoffe wie z.B. Digest – ein industrieller Euphemismus für teilweise verdaute Innereien von Hühnern und anderen Tieren – daran gewöhnt worden sind sie zu genießen. Laut Small Animal Clinical Nutrition ist „Digest möglicherweise der wichtigste Faktor, der in den letzten Jahren entdeckt wurde, um die Schmackhaftigkeit von Trockenfutter für Katzen und zu einem geringeren Grade Hundefutter zu erhöhen.“ (Lewis et al. 1987). In der Tat ist Digest so effektiv, dass Langzeitexpositionen zu offensichtlichen Symptomen einer Sucht führen, die viel Geduld und Ausdauer bei einer Umstellung der Ernährung erfordern.

Tierhalter werden ebenso oft durch die heimtückische Wirkung von Digest irregeführt. Obwohl Digest üblicherweise aus autolysierten Hühnerinnereien besteht, sollen einige Chargen eher nach Rind, Fisch oder Pute schmecken. Manchmal bestimmt eher die Art des beigemengten Digest die Bezeichnung des Aromas auf dem Etikett. Undifferenzierte teilweise gelöste rindfleischig schmeckende Innereien werden möglicherweise „Rinderbrühe“ betitelt, während die Verwendung von fischig schmeckendem Digest zu „Ozean-Weißfisch“ etikettiert wird.

Kritiker veganer Kost, die auf der Ebene der „unnatürlichen“ Ernährungsweise argumentieren, zeigen oft eine mehrwürdige Inkonsequenz. Sie sind im Allgemeinen freudig im Umgang mit Mikrochip, Impfungen, Entwurmungen, Sterilisationen ihrer Katzen, und sie bieten ihnen Wärme, Unterschlupf, regelmäßiges Nahrungs- und Wasserangebot, all jene Sachen, die unnatürlich sind. Wie es Dick Gregory in Beziehung zu Hunden formuliert:

„Es scheint dem Tierbesitzer nie aufzugehen, dass der Hund es bevorzugen würde sich auf dem Teppich zu erleichtern und es wohl eher nicht bevorzugen würde sich auf dem Boden zu rollen und sich dann tot zu stellen! Tierbesitzer denken sich nichts dabei, wenn sie ihren Hund haus-brechen, oder ihm Tricks beibringen oder lehren ungewollte Besucher anzugreifen; kurz gesagt, Dinge zum Vorteil des Besitzers zu tun. Aber der gleiche Besitzer widersteht der Möglichkeit die Ernährung des Hundes zu dessen Wohlbefinden zu ändern und den Hund daraufhin zu trainieren!“ (Peden, 1999).

Die doppelte Moral, die von den sonst so fürsorglichen Tierhaltern an den Tag gelegt wird, stammt vielleicht teilweise aus dem tief sitzenden persönlichen Bedürfnis , die Wahl der auf Leid und Tod fußenden Ernährung für ihre Tiere und sich selbst, zu rechtfertigen.

Unabhängig davon, ob eine auf Fleisch basierende kommerzielle Ernährung für Katzen natürlich ist oder nicht, ist es wohl kaum respektvoll gegenüber den natürlichen Bedürfnissen von Hühnern, Schweinen, Schafen und Kühen, sie in intensiven oder extensiven Haftbedingen zu halten, an ihnen chirurgische Verstümmelungen ohne Anästhesie oder Analgesie (Schmerzbetäubung) im normalen Verlauf der Landwirtschaft vorzunehmen, um sie wenig später in jungem Alter in der erschreckenden Umgebung eines modernen Schlachthofes zu töten. Diese Faktoren tragen zweifellos ein weit größeres ethischen Gewicht als irgendwelche Unannehmlichkeiten, die eine Katze haben könnte oder auch nicht, wenn sie die Umstellung auf eine vegane Ernährung erfährt.

Anforderungen der veganen Ernährung

Welche Kombination auch immer an fleisch-, pflanzen-, mineral- oder synthetikbasierten Inhaltsstoffen verwendet wird, so müssen Futtermittel den Anforderungen nach Schmackhaftigkeit, Nährstoff- und Bioverfügbarkeit für die sie bestimmte Tierart entsprechend konzipiert sein.

Sicherstellung von Schmackhaftigkeit

Wie oben erwähnt, ist die allgemeine Fixierung von Katzen auf bestimmte fleischbasierte kommerzielle Marken, an die sie sich gewöhnt haben, vor allem aufgrund der Zugabe von Digest, dem industriellen Euphemismus für teilweise verdaute Innereien, üblicherweise von Hühnern, zuzuschreiben. Viel Geduld und Ausdauer kann erforderlich sein, wenn die Ernährung nach langfristiger Gabe von Digest-haltigen Produkten umgestellt werden soll.

Katzen sind sehr unterschiedlich in ihrer Flexibilität der Ernährung. Um einige Katzen auf eine vegane Ernährung umzustellen, kann es notwendig sein zunächst alle Lebensmittel (bis auf Wasser!) für einen Tag zurückzuhalten. Dies stimuliert den Appetit ohne gesunde Katzen zu schädigen. Es ist immer ratsam die Ernährung nach und nach zu ändern, z.B. durch die Verwendung von 90% bisheriger und 10% neuer Kost für ein paar Tage, dann 80% bisherig und 20% neu für weitere Tage usw., um die neue Ernährungsweise so über Wochen oder länger hinweg langsam umzustellen. Eine allmähliche Änderung wird eher akzeptiert und ermöglicht ebenso die notwendige Anpassung von Verdauungsenzymen (soweit möglich) sowie die Neu- bzw. Umbesiedelung der Darmflora (Bakterien), wodurch die Wahrscheinlichkeit von gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Durchfall minimiert wird.

Katzenhalter sollten durch ihr Verhalten signalisieren, dass sie die neue Diät als ebenso essbar empfinden wie die alte (ohne die Katze durch viel Aufhebens zur Vorsicht zu erziehen). Sie sollten nicht besorgt sein, wenn die Katze anfänglich um das vegetarische Futter herumfrisst; allein durch die Nähe zum anderen Futter wird es geistig immer mehr miteinander verknüpft. Ausgiebiges Mischen der Kost oder der Zusatz von Geruchsstoffen (der Geruchssinn ist sehr wichtig) und Geschmackszusätzen wie Nahrungshefe, Pflanzenöl, Nori-Flocken und Spirulina mögen helfen. Vorsichtiges Erhitzen des Futters kann ebenso hilfreich sein. Tierhalter sollten ungegessenes Futter entfernen und stets frische Kost anbieten.

Die wichtigsten Faktoren für schwierige Katzen sind allmähliche Veränderung und Ausdauer. Mit diesen Grundsätzen wurden die dickköpfigsten Katzen erfolgreich an eine gesunde vegane Ernährung gewöhnt. Vegane Katzenfutter-Rezepte können von Peden (1999) und Gillen (2003) entnommen werden und ebenso von einigen Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln.

In Vegetarian Cats & Dogs erzählt Peden (1999) zahlreiche Geschichten gesunder veganer Katzen, die ihre Ernährung lieben lernten. Die Neuseeländerin Ann Fullerton berichtet von ihrer Siamesischen Katze Melaney, dass „trotz der Tatsache, dass es bei uns nur veganes Essen gibt, noch keine Katze unser Heim für ein anderes verlassen hat, das ein Menü hätte, das mehr nach ihrem Geschmack wäre“.

[…]

Alfredo Kuba aus Mountain View in Kalifornien zeigt die volle Bandbreite kätzischer Pingelichkeit bei der Beschreibung seiner zwei geretteten Straßenkater Mussi und Tommy (Kuba 2004):

„Meine Erfahrung ist, dass Tiere sich gut an eine vegane Ernährung anpassen können und es nur eine Frage der Geduld und des Experimentierens mit Geschmackskombinationen ist bis man herausbekommt, was sie mögen. Mussi liebte das Essen, obwohl es ungefähr 5 oder 6 Monate voller Probieren von veganen Rezepten brauchte, um ihn Stück für Stück an seine neue Ernährung zu gewöhnen. Ich setzte ihn auf vegane Kost nachdem er mit 3 Jahren an Diabetes durch kommerzielles Tierfutter erkrankte. Sein Diabetes ist deutlich zurückgegangen und er ist schließlich im Alter von 17 Jahren nach 14 gesunden Jahren mit veganer Ernährung gestorben. Wir haben gerade einen weiteren streunenden Kater gerettet und adoptiert und ihn Tommy genannt. Wir gaben ihm sofort vegane Kost von Evolution und mussten ihn überhaupt nicht daran gewöhnen, da er die Kost vom Fleck weg liebte!“

Nährwerte

Bestimmte Nährwerte sind von besonderer Bedeutung für vegan ernährte Katzen, da sie nur gering in dem für Katzen verfügbaren natürlichen Pflanzenmaterial vorkommen und in natürlicher Umgebung aus tierischen Quellen wie kleinen Säugetieren, Vögeln und Insekten stammen. Diese sind im Anhang aufgelistet.

Unabhängig von den verwendeten Inhaltsstoffen sollten Ernährungsweisen vollständig und in einem ausgewogenen Verhältnis in Bezug auf alle wichtigen Nährstoffe sein, oder sie führen höchstwahrscheinlich früher oder später zu Krankheiten. Dies kann durch Zugabe einer veganen Nahrungsergänzung zu hausgemachter Kost (Rezepte gibt es bei einigen Anbietern der Nahrungsergänzungsmittel) oder durch das Angebot diätetisch vollständiger kommerzieller Kost erreicht werden. Idealerweise sollten diese nach den Ernährungsempfehlungen der AAFCO (Association of American Feed Control Officinals) oder gleichwertigen nationalen Behörden zertifiziert sein. Der Ausschuss für Tierernährung (Committee on Animal Nutrition), der an den Landwirtschaftsvorstand des US-amerikanischen National Research Council (NRC) berichtet, hat Ernährungsstandards für mindestens 15 Tierarten entwickelt. In der Vergangenheit hat die AAFCO die Empfehlungen des NRC verwendet, begann jedoch 1993 eigene erweiterte Nährwertvorgaben zu veröffentlichen, die heute weitgehend als erforderliche Ernährungsstandards für Tierfutter anerkannt sind. Um den Nährwertvorgaben der AAFCO gerecht zu werden, verlassen sich die Hersteller veganer Kost (und in einigen Fällen auch fleischbasierter Ernährung) auf pflanzliche, mineralische und künstlich hergestellte Nährwertquellen, die sonst nur aus tierischen Geweben stammen.

Bioverfügbarkeit

Die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen (Grad der biologischen Verfügbarkeit für das Gewebe) ist weitgehend durch ihre Verdaulichkeit zu einfachen Molekülen bestimmt, die dann durch die Darmschleimhaut aufgenommen werden können. Die Bedeutung der Verdaulichkeit ist bei Tieren wie Katzen und Hunden besonders hoch, da sie nur über einen relativ kurzen Darmtrakt verfügen. Glücklicherweise haben mehrere Studien die hinreichende Verdaulichkeit von veganen Nahrungsinhaltsstoffen bei Katzen und Hunden nachgewiesen.

Pencovic und Morris (1975) untersuchten die offenbare Verdaulichkeit von Stärke aus Mais und Weizen (zu 35% der diätetischen Trockenmasse zugefügt). Die gezeigte Stärke-Verdaulichkeit für grob-gemahlene, fein gemahlene, oder grob gemahlene und gekochte Körner waren folgende:

  • Mais: 79, 94 und 88%
  • Weizen: 92, 97 und 96%

Es wurde festgestellt, dass die Stärke aus Mais und Weizen, vor allem wenn sie fein gemahlen ist, gut von Katzen aufgenommen wird (National Research Council 1986,6).

Die Verdaulichkeit von einigen Proteinquellen wurde bei Hunden untersucht.

  • Hegsted und Mitarbeiter (1947) fanden heraus, dass die Protein-Verdaulichkeit einer rein pflanzlichen Ernährung mit Weißbrot, Mais, Reis, Kartoffeln, Salat, Karotten, Zwiebeln, Tomaten und Apfelmus 80% (± 7,7%) beträgt.
  • James und McCay (1950) berichtet, dass die Protein-Verdaulichkeit von kommerziellem Trockenfutter, das sowohl pflanzliche als auch tierische Produkte enthält, von 67-82% bei erwachsenen Hunden ausmacht.
  • Kendall und Holme (1982) berichten, das die Rohprotein-Verdaulichkeitskoeffiziententen (Nx6.25) für texturiertes Sojaprotein, extrahiertes Sojamehl, vollfettes Sojamehl und verkleinerte ganze Sojabohnen von 71-87% reichte.
  • Moore und Mitarbeiter (1980) berichteten von Verdaulichkeitswerten von Sojamehl, Mais, Reis und Hafer bei ausgewachsenen Pointern [Hunderasse] im Bereich von 77-88% liegen. Ihre Daten zeigen, dass normales Kochen keinen signifikanten Einfluss auf die Verdaulichkeit von Reis, Hafer und Maisprotein hat. Ebenso weisen die Daten darauf hin, dass eine Erhöhung des Fettanteils in der Kost von 10 auf 20% zu keinen Veränderungen der Verdaulichkeit von Stickstoff in mais- und sojabasierter Kost führte.
  • Burns und Mitarbeiter (1982) zeigten, dass die Verdaulichkeit von Lactalbumin, Casein, Sojaeiweiß und Weizengluten jeweils bei 87, 85, 78 und 77% liegen (National Research Council 1986,12).

Tierfutterhersteller sind sehr gut über die ausreichende Verdaulichkeit von pflanzenbasierten Inhaltsstoffen informiert, die einen hohen Anteil in ihren verkauften Produkten ausmachen.

Die Gesundheit vegetarischer Katzen

Eine Populationsstudie

Im Jahre 2006 veröffentlichten die Tierärzte Dr. Lorelei Wakefield und Mitarbeiter eine Studie in der Zeitschrift der American Veterinary Medical Association, die den Gesundheitszustand von 34 vegan ernährten Katzen gegenüber 52 konventionell ernährten Katzen über den Verlauf von mindestens einem Jahr stellt. Es lagen keine signifikanten Unterschiede in Alter, Geschlecht, Körperzustand, Unterbringung und wahrgenommenem Gesundheitszustand zwischen den beiden Gruppen vor. Die meisten Halter der Katzen beider Gruppen beschrieben ihre Katzen als gesund oder im Allgemeinen gesund. Meinem Kenntnisstand zufolge ist dies die einzige bisher veröffentlichte Studie zum Gesundheitszustand von Katzen mit ernährungsphysiologisch einwandfreier veganer Kost.

Erfahrungsberichte

Darüber hinaus haben zahlreiche Tierhalter veganer Katzen ihre Erfahrungen in Peden‘s (1999) Vegetarian Cats & Dogs geteilt. Solche Fallbeispiele legen nahe, dass ernährungsphysiologisch einwandfreie vegane Katzennahrung in Verbindung mit Gesundheitsvorteilen wie vermindertem Befall von Ektoparasiten (Flöhe, Zecken, Läuse, Milben), verbessertem Fellzustand, Allergiekontrolle, Gewichtskontrolle, weniger Arthritis, Diabetes-Rückbildung und verbesserter allgemeiner Vitalität steht.

Ektoparasiten und Fellzustand

Carol Arens aus Arkansas berichtet, dass ihre Katzen weniger Ektoparasiten zu haben schienen, nachdem sie ihnen ein Hafer-Soja-Rezept mit Vegecat Nahrungsergänzung gab. Sie stellt fest:

„… die Hefe im Rezept scheint Flöhe und Zecken zu vertreiben, sodass dies keine Probleme mehr bereitet obwohl wir auf dem Land leben. Darüber hinaus scheint Rudy ihre Mahlzeiten wirklich zu genießen und diese kaum abwarten zu können“ (Peden 1999).

Das Wall Street Journal berichtete von den Erfahrungen Mary Curriers aus New Hampshire, die eine Pflegestation für 13 Katzen und drei Hunde unterhält. Sie erzählt:

„Ihr Fell ist soviel weicher. Es ist soviel glänzender. Ich klinge wie eine Werbung, aber ich kann es nicht glauben, ich meine, dass sie es so viel besser haben. … Wenn sie diese Tiere nur sehen könnten und die Textur ihres Felles fühlen könnten. Ich denke, Sie sollten das unbedingt mit einbringen, da es sehr wichtig ist. Ihr Fell fällt auch nicht mehr so aus wie einst. Es ist dicker! Es ist gerade Sommer und die Katzen sind im Haus. Es ist unglaublich. Ich kann gar nicht genug darüber erzählen und ich erzähle es jedem. Ich bin so dankbar.“ (Hwang 1993)

Besonders berührend ist die Geschichte von Fletcher, erzählt von Jennifer Friedman aus Oregon:

„[Wir fanden] Fletcher vor einem Jahr in einer U-Bahn in New York City. Er lebte in einer kleinen Kiste, die mit Dreck verklebt war. Zwei obdachlose Jungen, die sich kaum selbst versorgen konnten, fütterten ihn von Zeit zu Zeit mit dem was sie konnten. Als Ben ihnen Fletcher für 20 Dollar abkaufte, sah es nicht so aus, als könne er es schaffen. Er war offensichtlich stark dehydriert und unterernährt. Er hatte große Schwierigkeiten beim Gehen, es schien, dass die Muskeln in den Beinen vom Leben in der Kiste atrophiert waren. Sein Kopf war enorm für seinen kleinen aufgeblähten Körper und sein Fell  war trocken und verfilzt. Er war von Flöhen und Milben befallen und hatte Würmer im Darm sowie Ringelflechte auf verschiedenen Stellen seines Körpers. Auch hatte er, wie zu erwarten, schwere Verhaltensstörungen, sowie die Tendenz brutal anzugreifen, wenn ihm etwas Angst machte. Er war so ein Häufchen Elend, so überwältigend, aber ich hatte Angst ein Tierarzt würde auf eine Einschläferung bestehen. So beschlossen wir unser Bestes im Alleingang zu geben. Herauszufinden wo wir anfangen sollten, war der schwierigste Part. Wir badeten ihn, säuberten seine Ohren und benutzten verschiedene Kräuter um die Milben und Pilzflechte zu bekämpfen (Teebaumöl ist sehr wirksam in der Bekämpfung von Pilzen) (*). Wir behandelten ihn sehr bedacht und mit großer Sorgfalt, um ihn nicht zu erschrecken. Besucher warnten wir davor ihn zu streicheln (wir lebten in einer sehr kleinen 1-Raum-Wohnung und konnten ihn nicht wirklich isolieren), aber es wollten uns nicht viele Leute besuchen; jeder dachte wir seien verrückt! Nur wenige Monate zuvor hatte ich begonnen meine zwei anderen Katzen auf vegane Kost umzustellen. Also wurde Fletcher das damalige Lieblingsessen meiner Katzen angeboten – gemahlene Kichererbsen und brauner Reis gemischt mit Gemüse, Öl, Tamari, Vegecat und jeder Menge Nährhefe. Ich ermunterte ihn ebenso viel zu trinken, er liebte insbesondere Sojamilch (die noch immer sein Favorit ist), und flüssiges Vitamin E zu sich zu nehmen, damit seine Haut besser heilte. Er war bei weitem der einfachste Fall der Umstellung auf eine vegane Ernährung. (Ich habe bis heute vier weitere Katzen umgestellt.) Er frisst bis heute sein Futter mit Leidenschaft und hält ein perfektes Gewicht. Zwei Monate nachdem wir Fletcher aus der U-Bahn holten, zogen wir nach San Francisco. Um ihn mit an Board des Flugzeugs zu nehmen, mussten wir ein Gesundheitszeugnis erbringen. Wir brachten ihn zu einem ganzheitlichen Tierarzt. Bei der Untersuchung fiel dem Tierarzt auf welch schöne und gesunde Katze Fletcher doch sei und was für ein wundervolles Gemüt er doch hätte. Ich lachte als ich ihm erzählte unter welchen Umständen wir ihn zwei Monate früher fanden. Der Tierarzt glaubte uns kaum.“ (Peden, 1999).

(*) Teebaumöl (Melaleuca alternifolia) kann Vergiftungserscheinungen hervorrufen, wenn es auf die Haut von Katzen und Hunden aufgetragen wird oder von dort geleckt wird, insbesondere bei unverhältnismäßigen Dosen, und wird nicht empfohlen (Villar et al., 1994).

Allergie-Kontrolle

Möglicherweise steht die Verbreitung von künstlichen Farbstoffen, Aromen und Konservierungsstoffen (insbesondere Ethoxyquin), Stabilisatoren und veränderten Schlachthausprodukten in fleischbasierten kommerziellem Futter in Zusammenhang mit der steigenden Prävalenz der Haustierallergien. Wie von dem Allergieexperten und Tierarzt Dr. Alfred Plechner formuliert, provozieren tierische Produkte die meisten allergischen Reaktionen, spitzenführend dabei Rindfleisch sowohl bei Katzen als auch Hunden. Die Umstellung auf eine andere Marke kommerziellen fleischbasierten Tierfutters behebt die Problematik üblicherweise sind, da sich deren Inhaltsstoffe ähneln (Plechner & Zucker, 1986). In der Konsequenz wurden verschiedene fleischlose Diätfutter entworfen, um die Nachfrage bei Allergien zu beantworten.

Juckreiz ist das häufigste Anzeichen einer Nahrungsmittelallergie bei Haustieren, obwohl sich auch Erbrechen, Husten oder Keuchen (Katzen-Asthma) zeigen können. Katzen sind für Allergien anfälliger als Hunde und werden mit zunehmendem Alter sensibler. Sie können Hautprobleme entwickeln wie z.B. miliare Dermatitis oder den eosinophilen Granulom-Komplex.

Die Kanadierin Valerie Cline erzählt ihre Geschichte von Barney:

„Ich bin stolz auf mein Zuhause mit fünf Katzen, von denen ein Kater Barney heißt. Barney hat an verschiedenen Allergien gelitten, als ich ihn bei mir aufnahm und diese Allergien waren schwerwiegend. Mir wurde von vielen Tierärzten gesagt, dass er an Lebensmittelallergien litt und so versuchte ich das Futter immer wieder zu wechseln, ohne, dass ich fündig wurde und sogar die Lamm und Reis Rezepte funktionierten nicht. Cortison wurde mir jedes Mal wenn ich zum Tierarzt ging als Wunder’heilung‘ präsentiert und ohne dies wäre sein gesamter Kopf rot angeschwollen und hätte gejuckt. Barney hätte sich gekratzt bis sein Fell fort gewesen und Blut geflossen wäre. Seine Ohren hätten sich mit blutigen Krusten gefüllt und seine Augen hätten mit blutigem Ausfluss getränt bis sie zugeschwellt wären und er zu keuchen begonnen hätte. Nach zwei Jahren mit Cortison-Verschreibungen bekam Barney Diabetes. Immer wieder fragte ich Tierärzte verzweifelt nach Alternativen wie z.B. Diäten, die ich ihm zuhause bereiten konnte, aber mir wurde gesagt, das Cortison die Standard-Behandlung bei Katzenallergien wäre und dass er so schwer krank sei, dass Cortison der beste Weg für ihn sei. Barney war dann auf tägliche Insulin-Injektionen angewiesen. Zweimal verfiel er in einen Insulinschock bis seine Dosis reguliert wurde. Mir wurde gesagt, dass Barney lebenslang Diabetiker und insulinabhängig bleiben würde. Erst da wurde mir durch meinen Tierarzt eine ‚hypoallergene Kost‘ empfohlen. Er war noch immer allergisch, aber nicht mehr so schwerwiegend. Das Futter kostete mich $50 pro Monat und er musste von den anderen Katzen getrennt werden, die normales Futter  [Science] zur Verfügung hatten und Barney womöglich ohne sofortiges Cortison durch einen einzigen Happen in Not geraten würde. Dann fand ich Ihr Produkt und innerhalb eines Monats war Barney komplett vom Insulin weg und gesünder als ich ihn je gesehen hatte. Es sind nun vier Monate vergangen, seit er begann Vegecat zu essen und er ist kein Diabetiker mehr. Seine Ohren und Augen sind klar und er sieht fantastisch aus!“ (Peden 1999)

Harnwegserkrankungen

Die Kanadierin Gwyn Watson beschreibt die positiven Auswirkungen einer veganen Ernährung auf Layla:

„Meine Katze Layla hatte eine chronische Blaseninfektion. Sie wurde in den letzten vier Jahren vom Tierarzt drei bis viermal im Jahr medikamentös behandelt. Wenn sie keine Medikamente bekam, habe ich es mit flüssigem Vitamin C unter Kontrolle gehalten. Jede stressige Situation (z.B. Umzug)  hat ein erneutes Aufflammen verursacht. Seitdem sie Vegecat bekommt, hatte sie kein einziges Mal mehr Probleme. Ich habe ihr noch nicht einmal mehr Vitamin C gegeben. Wir bereiten das Hafer-Soja Rezept zu und fügen kleingeschnittene Möhren und Sprossen hinzu. Zudem hatte ich kaum Schwierigkeiten sie zu der neuen Kost zu überreden.“ (Peden, 1999)

Gewichtskontrolle und Arthritis

Adipositas (Fettleibigkeit) ist ein wichtiges und zunehmendes Problem bei Hauskatzen. Zu den potentiell schwerwiegenden Gesundheitsproblemen, die in Zusammenhang mit Adipositas stehen, gehören Herzfunktionsstörungen und Erkrankungen der Atemwege. Wie Tierarzt Dr. Gregory MacEwen (1989) sagt: „Fettleibigkeit kann einer der entscheidenden Faktoren sein, der die Langlebigkeit des Haustieres beeinträchtigt.“ Vegane Kost enthält geringere Protein- und Fettwerte sowie mehr Ballaststoffe, die allesamt ein gesünderes Gewicht fördern.

Übergewicht prädisponiert auch zu Arthritis. Tierarzt Dr. Michael Lemmon (1991) hält u.a. freie Radikale für verantwortlich. Er sagt:

„Freie Radikale entstehen im normalen Zellstoffwechsel, wenn eine Zelle Nährstoffe aufnimmt, verarbeitet, nutzt und dann Abfallprodukte ausscheidet. Einige dieser Abfallprodukte sind freie Radikale. Wo immer man eine schlechte Nahrungsqualität findet, findet sich ein Überschuss an freien Radikalen. Ranzige Fette und verschimmelte Körner sind zwei vorrangige Quellen der Produktion freier Radikale bei Tieren. … Fett ist ein essentieller Bestandteil in jeder Nahrung. Viele kommerzielle Tierfutterhersteller haben Probleme dabei die Ranzigkeit der Fette in der von ihnen produzierten Tiernahrung zu kontrollieren. Sie versuchen erfolglos diese Ranzigkeit mit Chemikalien im Zaum zu halten. Amerikanische Körner sind sehr häufig mit verschiedenen Stadien von Schimmel verunreinigt. Tierfutterhersteller verwenden aus ökonomischen Gründen meist minderwertige Getreideprodukte in  ihrem Futter. Viele Fälle von Arthritis sprechen wirkungsvoll und schnell auf antioxidative Nährstoffe wie Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin und Selen an. Ein weiteres sehr wirksames Antioxidans ist die Kombination von Superoxiddismutase (SOD) und Katalase.“

Diabetes-Rückbildung

Übergewicht, das häufiger bei fleischbasierter Nahrung auftritt, prädisponiert zu Adipositas [krankhafte Fettleibigkeit] und die Umstellung auf eine vegane Ernährung kann in einigen Fällen zu einer Regression von Diabetes führen. Alfredo Kuba (2004) aus Mountain View, Kalifornien, beschrieb eine erstaunliche Rückbildung von Diabetes nach der Umstellung zu einer veganen Ernährung seines geretteten Straßenkaters Mussi (kastriert mit 2 Monaten):

„Ich habe meine Katzen seit über 14 Jahren vegan ernährt. Ich kann Ihnen sagen, dass meine Erfahrung damit gelinde gesagt phänomenal sind. Mein Kater Mussi starb im Dezember im Alter von 17. Meine Frau und ich retteten ihn, als er nur ein paar Wochen alt war und verstoßen wurde. Bevor er vegan wurde, gaben wir ihm normales kommerzielles ‚Tierfutter‘ und er bekam im Alter von 3 Jahren Diabetes. Da entschied ich mich seine Ernährung umzustellen. Ich recherchierte etwas und begann mit Vegecat von Harbingers of a New Age. Er liebte das Futter, auch wenn es etwas Geduld brauchte ihn nach und nach an seine neue Ernährung anzupassen, ungefähr fünf bis sechs Monate um genau zu sein.
Mir fiel auf, dass sein Diabetes begann sich zurückzubilden, als er bei einer 100% veganen Ernährung angelangt war.  Mussi brauchte bevor er vegan war 14 Einheiten Insulin pro Tag, sieben Einheiten zweimal täglich, um seinen Blutzucker zu normalisieren. Nach der Ernährungsumstellung, reduzierte sich die Notwendigkeit von Insulin schnell auf nur zwei Einheiten pro Tag und an einigen Tagen, manchmal vergingen sogar Wochen, brauchte er gar keines.
Mussis Diabetes wurde von meinem Tierarzt festgestellt und ebenso dessen Rückbildung. Ich habe außerdem seinen Blutzucker einmal pro Woche überprüft, wenn er Symptome wie Durst und exzessiven Harndrang zeigte. Er begann den Diabetes zurückzubilden, als ich ihn auf die vegane Ernährung setzte und es brauchte ungefähr sechs bis acht Monate um von einer Insulindosierung von 14 Einheiten pro Tag zu nur zwei Einheiten pro Tag zu kommen. Einige Male sahen wir, dass er selbst bei zwei Einheiten am Tag in Schock geraten würde, sodass wir seinen Blutzucker überprüften und er so für Wochen oder Monate am Stück kein Insulin benötigte, obwohl er stets durch seine einstige Diabetes-Diagnose davon abhängig blieb.
Dies war eine dramatische Verbesserung und ziemlich erstaunlich. Wir haben vor kurzem einen anderen Straßenkater adoptiert und Tommy genannt. Wir gaben ihm sofort vegane Kost von Evolution und mussten ihn überhaupt nicht daran gewöhnen, da er die Kost vom Fleck weg liebte!“

Verbesserte Vitalität

Peden (1999) geht davon aus, dass die verbesserte Vitalität einiger Katzen nach der Umstellung auf eine vegane Ernährung auf die Energieeinsparung zurückgeht, die durch die Verminderung der Produktion und Ausscheidung von tierischen Abfallstoffen wie Harnstoff, Kreatinin, Phenole, Sulfate und Phosphate geschieht.

Die Neuseeländerin Ann Fullerton beschreibt diese Wirkung bei ihrer siamesischen Katze Melaney:

„Die gute Nachricht ist die positive Wirkung, die Vegecat auf unsere wunderschöne siamesische Katze Melaney hat. Mel ist 10 Jahre alt und verhielt sich ihrem Alter entsprechend. Aber nach zwei oder drei Wochen mit Vegecat Nahrungsergänzung schoss sie buchstäblich durch die Gegend und war so spielerisch wie als Kätzchen. Es war wundervoll sie zu ihrem alten Selbst zurückkehren zu sehen. Ossie, unser Chinchilla, hat ebenso davon profitiert… Habe ich erwähnt, dass Melaney zwei erste Preise der hiesigen Katzenshow während der veganen Ernährung gewann? Nur dass ihre Gewinne eine kostenlose Dose fürchterliches altes Aspik beinhalteten!“ (Peden, 1999)

Vorteile von Seetang

Manchmal wird Seetang in veganem Tierfutter verwendet, welches aus Fabriken in den USA, Nova Scotia, Irland, Schottland, Frankreich, Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und Südafrika stammt. Die häufigste verwendete Art ist Ascophyllum nodosum. Es wird behauptet, dass Seetang-Kost den gleichen Nahrungsmittelwert wie Hafer habe, indem es Mineralmangelerkrankungen vorbeugt oder heilt und zu „besserer Milch, Eier, Fleisch und Fell“ in der „Produktion“ von Tieren führt (Thorbin Inc., undatiert).

Seetang scheint förderlich für die Knochenfestigkeit zu sein. Wie von Zorn (1974) in Seaweed and Vitality beschrieben:

„Es wurden Studien zu Calcium, Phosphor, Eisen und Jod im Blut von Patienten mit Knochenfrakturen in verschiedenen Zeitabständen der Genesung gemacht. Professor Cavanaugh lernte daraus, dass die Genesungsdauer um 20% reduziert war, wenn den Patienten eine tägliche Ration Seetang verabreicht wurde. Dementsprechend wurde deutlich gezeigt, dass Seetang zu einer Erhöhung der Calciumwerte im Blut verhalf.“

Urin-Alkalisierung

Die Ausscheidung von stickstoffhaltigen Abfallprodukten des Proteinabbaus führt zu einem sauren Urin bei Fleischfressern. Vegane Ernährung mit ihrem geringeren Proteingehalt können zu einer Urin-Alkalisierung führen. Die Veränderungen des pH-Wertes (Säuregrad)  prädisponieren die Kristallisation bestimmter Salze im Urin, was zur Bildung von Steinen im Harnweg (Urolithiasis) führen kann, die unter das urologische Syndrom bei Katzen [engl. FUS = feline urological syndrome]  fallen: teilweise oder vollständige Harnstauung (die lebensbedrohlich sein kann), Dysurie (Schwierigkeiten beim Wasserlassen) und Hämaturie (Blut im Urin) (Blood & Studdert, 1988). Veränderungen in der bakteriellen Flora mit erhöhtem Risiko einer Harnwegsinfektion können ebenso auftreten.

Überwachung

Basierend auf seinen Erfahrungen von Tausenden von veganen Katzen meint Gillen (2003), dass 85-90% der veganen Katzen kein besonderes Augenmerk auf die Inhaltsstoffe der Kost benötigen; jedoch benötigen die restlichen 10-15% die Überwachung des Urin pHs und des Magnesiumgehalts der Nahrung. Da die Folge der Urolithiasis eine tödliche Harnwegsblockade sein kann, inbesondere bei Katern, empfehle ich für ein gutes Maß an Sicherheit des pH-Gehalts sowohl bei weiblichen und männlichen Katzen eine Überprüfung des pH-Wertes vor der Umstellung auf eine vegane Ernährung, um eine Basis zu schaffen, und dann wöchentlich während der Umstellungszeit, sowie monatlich lebenslang, auch wenn die Ernährung und pH Werte sich stabilisiert zu haben scheinen. Die Werte sollten häufiger in Zeiten von Ernährungsumstellung, Umwelt- und weiteren Veränderungen überprüft werden, die zu einer potentiellen Destabilisierung führen können sowie bei allen Anzeichen einer Harnveränderung.

Urin von Katzen kann gesammelt werden, indem nicht-absorbierendes Kunststoffstreu verwendet wird, das über Tierärzte zu beziehen ist. pH-Teststreifen sind dort ebenso, aber auch in Zoohandlungen zu erstehen (diese sind ebenso empfohlen, um den pH-Wert von Aquarien zu messen), obwohl pH-Meter die genauesten Ergebnisse liefern.

Die Wahrscheinlichkeit von Alkalisierung, Urolithiasis, FUS und Harnwegsinfektionen kann mit verschiedenen Mitteln minimiert werden:

Magnesium im Futter

Der häufigste Harnstein (Urolith) ist Struvit (Magnesum-Ammonium-Phosphat) (Blood & Studdert, 1988). Daher verringert eine minimierte Magnesiumkonzentration im Urin die Struvitbildung. Die Magnesiumgehalte in der Nahrung können sehr variieren.

  • Ralston Purina’s [Fleisch-Marke] wichtigstes Trockenfutter enthält 43 mg / 100 kcal ME (0,16% Magnesium in Trockenmasse).
  • Das verblasst im Vergleich zu Puss’N Boots [Fleisch-Marke] Tuna, welches 84 mg / 100 kcal ME enthält (0,25% Magnesium in Trockenmasse).
  • Hill’s Prescription Diet [Fleisch-Marke] enthielt viel gesündere 15 mg / 100 kcal ME (0,07% Magnesium in Trockenmasse).
  • Vegecat Trockenfutter (KibbleMix) enthält 19 mg / 100 kcal ME (0,07% Magnesium in Trockenmasse) (Peden, 1999)

Wasserkonsum

Urinsalzkonzentrationen können durch die Steigerung des Wasserkonsums gesenkt und ausgeschieden werden. Sauberes frisches Wasser sollte jederzeit verfügbar sein und salzige Speisen, oder eine Prise Salz in normales Nassfutter gegeben, sind von Vorteil um Durst zu stimulieren, obwohl dies nur ratsam für Katzen ohne Herzerkrankungen ist.

Urinsäuerungsmittel

Ein pH-Wert von 7,0 ist neutral, ein niedriger pH-Wert weist auf Säure hin, ein höherer auf ein basisches (alkalisches) Milieu. Katzen- und Hundeurin sind üblicherweise leicht sauer mit einem Normalbereich von 6,0-7,5. Struvit benötigt einen pH-Wert von 7,0 und höher um auszukristallisieren (Gillen 2003). Urin kann über mehrere Wege angesäuert werden.

  • Spargel, Erbsen, brauner Reis, Hafer, Linsen, Kichererbsen, Mais, Rosenkohl, Weißer Gänsefuß (bot. Chenopodium album), die meisten Nüsse (außer Mandeln, Kokosnuss und Macadamianüsse), Getreide (nicht Hirse) und Weizengluten (wird in Trockenfutter verwendet) können in veganes Katzenfutter Eingang finden und sind allesamt Urinansäuerer (Peden, 1999).
  • Vitamine sind ebenso von Vorteil. Vitamin C (Ascorbinsäure) ist ein Urinsäuerungsmittel. Tabletten können pulverisiert oder Ascorbinsäurepulver verwendet werden.
    • Das BSAVA (British Small Animal Veterinary Association) Apotheker-Handbuch, Small Animal Formulary, empfiehlt eine Dosierung von 50-80 mg/kg alle 24 Stunden für Katzen und Hunde (Tennant, 2003).
    • In seinem Very Health Cat Book (Belfield & Zucker, 1983) empfiehlt Dr. Belfield 500-750 mg Vitamin C täglich für gesunde 5 kg Katzen und 1000 mg für gesunde große Katzen. Für Katzen mit FUS empfiehlt er 500-7500 mg Vitamin C am Morgen und weitere 500 mg am Abend für sechs Monate um das Problem zu lösen. Er schreibt: „Ein Tier kann nach sechs Wochen oder so erneut eine Blockade zeigen, doch die gebildeten Kristalle werden immer kleiner und kleiner und weniger und weniger.“

pH-Puffer negieren die Wirksamkeit, sodass ungepuffertes Vitamin C verwendet werden sollte. Wenn daneben weitere Urinsäuerungsmittel verwendet werden, können die Dosen verringert werden.

  • Methionin ist besonders wirksam bei der Verhinderung von Struvitbildung. Methionin wird in Schwefelsäure verstoffwechselt, welches ein starkes Säuerungsmittel ist. Zusätzlich ersetzt Sulfat das Phosphat im Magnesium-Ammonium-Phosphat-Komplex, sodass eine Struvitbildung verhindert wird.
    • Das Handbuch der BSAVA empfiehlt eine Dosis von 200 mg / Katze alle acht Stunden (Tennant 2003). Die Dosis sollte angepasst werden, um den Urin-pH bei oder unter 6,5 zu halten.
    • Auf langjähriger Erfahrung beruhend meint Peden (2004) jedoch, dass eine konservative Dosis für die Struvitauflösung bei 1000 mg / Tag für eine 5 kg Katze beträgt, die mit Mahlzeiten eingenommen werden sollen, die einen Urin-pH zwischen 6,1-6,2 aufrecht erhalten. Peden weist darauf hin, dass die Methionin-Ergänzung 1800 mg / Tag für eine 5 kg Katze nicht überschreiten dürfen.

Übermäßige Mengen können in einer metabolischen Azidose resultieren mit der Konsequenz, dass die Knochen Calcium verlieren und Elektrolyt-Ungleichgewichte entstehen. Methionin sollte nicht bei jungen Tieren Anwendung finden, ebenso wie in Tieren mit Nieren- oder schwerwiegenden Lebererkrankungen (Tennant, 2003).

  • Natriumbisulfat ist ein besonders effektives Urinsäuerungsmittel und wird Vegecat pH zugegeben (Peden, 2004).
  • Ammoniumchlorid, ein ebenso starkes Urinsäuerungsmittel, kann jedoch die Schmackhaftigkeit verringern. In seiner „5-minute (veterinary) consult drug formulary“ empfiehlt Papich (2004) eine Dosis von 800 mg / Katze (ca. 1/3 bis ¼ Teelöffel Kristalle) pro Tag mit der Nahrung gemischt.

Gillen (2003) beschreibt drei Schritte in der Reihenfolge der Steigerung der Größenordnung, die ergriffen werden können, um die Urin-Alkalisierung zu korrigieren:

  1. Für kleinere Fälle seien Enzymergänzungen, die Methionin, Vitamin C und/oder Cranberry-Extrakt enthalten, ausreichend. Diese grenzen sowohl die Urin-Alkalisierung als auch Harnwegsentzündungen ein. Sie helfen ebenso bei der Verdauung und können zu einer Steigerung der Vitalität führen.
  2. Für moderate Fälle, meint Gillen, kann Vegecat pH mit zusätzlichem Natriumhydrogensulfat ausreichend sein.
  3. Für schwere Fälle empfiehlt Gillen Methionin-Pillen.

Qualitätskontrolle

Zwei Studien  haben die unzulängliche Ernährung in handelsüblichen Marken veganen Katzen- und Hundefutters gezeigt.

  • Kienzle und Engelhard (2001) stellten fest, dass häufige Mängel in europäischem veganen Katzen- und Hundefutter bei schwefelhaltigen Aminosäuren, Taurin, Vitamin D, Vitamin B12, Arachidonsäure und Spurenelementen bestehen.
  • Gray und Kollegen (2004) fanden heraus, dass zwei amerikanische vegane Katzenfuttermarken mangelhaft bestimmte Aminosäuren, Spurenelemente, Vitamine und Arachidonsäure enthielten. Eine war ebenso im Gesamtproteingehalt mangelhaft.

Diese Mängel sind entgegen den Erwartungen der Hersteller aufgefallen und standen im Gegensatz zu den Nährwertangaben auf den Etiketten. Solche Mängel zeigen deutlich die Notwendigkeit der Hersteller gute Qualitätskontrollen einschließlich regelmäßiger Laboranalysen umzusetzen. Um dies zu fördern, könnten interessierte Verbraucher Kopien der letzten unabhängigen Ernährungsanalyseergebnisse von den Herstellern verlangen.

Gelegentliche Variationen von Marken und Futtern (stets mit einem allmählichen Wechsel) verringert das Risiko von Mangelernährung – welche weniger wahrscheinlich bei mehreren Marken ist und außerdem dazu verhilft, dass keine Fixierung auf eine Art der Kost entsteht, was bei eventuellen zukünftigen Gesundheitsproblemen (z.B. altersbedingt) nützlich sein kann. Häufige Futtervariationen können jedoch zu Magen-Darm-Reaktionen wie Diarrhoe führen und werden nicht empfohlen.

Fazit

Die Gesundheitsrisiken für Katzen und Hunde (und natürlich für „Nutz“tiere), die mit kommerziellem fleischbasierten Tierfutter in Verbindung stehen, sind umfangreich und schwer zu vermeiden. Darüber hinaus sind immer mehr informierte Verbraucher nicht bereit das Leid und den Tod der mit der Fleischindustrie verbunden ist sowie deren Umweltfolgeschäden finanziell zu unterstützen. Folglich werden immer mehr vegane Alternativen erforscht.

Unabhängig von der Kombination aus tierischen, pflanzlichen, mineralischen oder synthetischen Inhaltsstoffen, sollten Futtermittel für Katzen, Hunde und andere Arten auf deren Bedürfnisse von Schmackhaftigkeit, Nährstoff- und Bioverfügbarkeit zusammen gesetzt werden. Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, warum eine Diät, die nur aus pflanzlichen, mineralischen und synthetischen Inhaltsstoffen zusammengesetzt ist, diese Bedürfnisse nicht erfüllen sollte. In der Tat haben einige im Handel verfügbare vegane Futtermittel genau dies zum Ziel und gemeinsam unterstützt, dass über viele Jahre eine gesunde Population tausender veganer Katzen, Hunde und Frettchen (die ebenso natürliche Fleischfresser sind) entstehen konnte (Weisman, 2004). Unabhängig der verwendeten Inhaltsstoffe sollten jedoch umfassende Qualitätskontrollen einschließlich regelmäßiger Laboruntersuchungen umgesetzt werden, um sicherzustellen, dass Produkte diese Anforderungen auch konsequent erfüllen.

Die korrekte Verwendung einer vollständigen und ausgewogenen Nahrungsergänzung ist essentiell, um die Gesundheit von veganen Haustieren, insbesondere von Katzen, zu gewährleisten. Regelmäßige Überprüfungen des Urin-pHs sind wichtig, um eine Urin-Alkalisierung feststellen und dieser vorbeugen zu können, die sonst zu Urinsteinen, Harnwegsverschlüssen und –infektionen führen könnte, zu der eine Minderheit und insbesondere Kater neigen.

Wie immer sollte der Gesundheitszustand aller Tiere regelmäßig überwacht werden, u.a. durch jährliche tierärztliche Untersuchungen oder öfter, wenn eine Krankheit durch welche Gründe auch immer entsteht, die Bluttests in angemessenen Abständen im Alter einschließen sollten und dort wo sie sonst klinisch angezeigt sind.

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Anhang

Der Anhang fasst die wenigen veröffentlichten Studien zusammen, die sich dem Thema des Gesundheitszustandes von Katzen mit langzeitiger veganer Ernährung, den Nährwerten, die besonders wichtig für Katzen sind und der Möglichkeit der Unterversorgung mit Nährstoffen durch unzureichend zusammengesetzte Diäten mit möglichen Gesundheitsfolgen widmen.
Hier wird auf die Appendix-Originalseite im Englischen verlinkt.

Hier wird auf den Original-Artikel im Englischen verlinkt.