Viele Zusätze gehören heute in ausgewogenes Tierfutter für Katzen. Darunter Vitamin D.

Es spielt eine Rolle bei der Regulierung der Kalzium- und Phosphathomöostase und des Knochenstoffwechsels sowie der Modulation des Immunsystems. Anders als wir Menschen mit nur leicht behaarter Haut und damit der Fähigkeit mit Hilfe von Sonnenlicht Vitamin D in unserem Körper zu produzieren, können Katzen nur bedingt auf die Eigensynthese vertrauen. Katzen verfügen nur über sehr geringe Konzentrationen des Provitamins in der Haut (also eine Vorstufe des Vitamins, das erst durch UV-Strahlung, also Sonneneinwirkung, aktiviert wird). Eine Ergänzung des Katzenfutters mit D2 oder D3 ist daher notwendig.

 

Der Bedarf an Vitamin-D

Erwachsene Katzen haben bei einem ausgewogenen Verhältnis von Kalzium und Phosphat einen äußerst geringen Bedarf an Vitamin D (Quelle: Senger, Doktorarbeit). Dennoch gilt es z.B. nach den Ernährungsempfehlungen der AAFCO (Association of American Feed Control Officinals) als wichtiger Ergänzungsstoff mit 500 IU/kg Futter sowohl in der Wachstumsphase als auch bei ausgewachsenen Katzen (AAFCO Bericht). Die AAFCO Empfehlung geht demzufolge weit über die belegten Tatsachen über den Bedarf von ausgewachsenen Katzen hinaus. Selbst für die Wachstumsphase gelten die Zahlen als zu hoch angesetzt:

Es hat sich allerdings gezeigt, dass wachsende Katzen erheblich weniger Vitamin D benötigen (250 I.E. D3/kg Futter) als derzeit von der AAFCO empfohlen wird.

Quelle: Michael S. Hand: Klinische Diätetik für Kleintiere, Volume 1 – google books Link

 

Schauen wir uns daher die derzeit auf dem deutschen Markt verfügbaren veganen Katzenfutter an:

 

Trockenfutter

  • Benevo Trocken-Katzenfutter enthält D2 (Ergocalciferol), mit 2,218 IU/kg.
  • Amicat enthält zur Abwechslung Vitamin D3, das noch nicht allzu lange aus vegan synthetisierter Quelle existiert. Es enthält 1250 IU/kg.

Nassfutter

  • Vegecat enthält D2 (Ergocalciferol), das mit 896,3 IU/kg angegeben ist. Vegekit, dem Vegecat für Welpen, kommt mit 1111 IU/kg.
  • Benevo Duo, das Nassfutter für zwei Tierarten (Katze und Hund), das auf Katzen zugeschnitten wurde, enthält Vitamin D2 mit einer Angabe von 200 IU/kg. Das liegt also unter der AAFCO Richtlinie. Dabei wird es als Alleinfutter angegeben. Wieder ein negativer Aspekt in der Benevo Duo Untersuchung.

Fehlende Deklaration

  • Feligourmet, Nassfutter, wird mit Vegecat hergestellt, enthält also Vitamin D2 (Ergocalciferol) und sollte 896,3 IU/kg enthalten. Die Mengenangabe fehlt aber auf der Deklaration.
  • Evolution Cat/Dog High Fortification, ein Allein-Nassfutter, enthält Vitamin D ohne Angabe als welches Vitamin D und in welcher Menge es vorliegt.

James Peden, Entwickler von Vegecat und Vorreiter der veganen Katzenernährung schreibt in seinem Buch „Vegetarische Hunde- und Katzenernährung“ im Jahre 1999:

Vitamin D

… ist bekannt als das „Sonnenschein-Vitamin“. Da für den Körper der Sonnenschein eine der Quellen dafür ist, ist das fettlösliche Vitamin D technisch ein Hormon. Produziert der Körper zu geringe Mengen davon, muss es durch die Nahrung zugeführt werden. In diesem Fall ist es dann ein Vitamin. Alle Tiere mit einem Knochengerüst benötigen Vitamin D, welches die Aufnahme und Verwendung von Kalzium und Phosphor erleichtert. Rachitis ist eine Mangelerscheinung, die eine Fehlentwicklung oder Verhärtung der Knochen bewirkt, bedingt durch einen Vitamin-D-Mangel in der Nahrung oder durch zu wenig direktes Sonnenlicht.
Vitamin D gibt es in zwei Formen. Das Vitamin D3 (Cholecalziferol), das sich nur in Tierkörpern bildet, wird manchmal „D-aktiviertes Tier-Sterol“ genannt und wird aus der Wolle von (normalerweise geschlachteten) Schafen gewonnen. Vitamin D2 (Ergocalziferol), eine Form, die nicht von Tieren gewonnen und in den Vegepet-Produkten verwendet wird, produziert man aus Hefe, die ultraviolettem
Licht ausgesetzt wird. Beide Formen sind gleichermaßen wirksam. [Hervorhebung: vegan dharma]

Die synthetische Herstellung von Vitamin D2

Berührt direktes Sonnenlicht unsere Haut, verwandelt sich 7-Dehydrocholesterol (ein Steroid) in Vitamin D. Vitamin D2 wird künstlich hergestellt, indem man diesen natürlichen Prozess imitiert. Getrocknete Hefe enthält etwa 0,51 % Ergosterol.Wird es in flüssiger Form
ultraviolettem Licht ausgesetzt, so verwandelt es sich durch Aufspaltung der Kohlenstoff-Verbindung im Kern des Ergosterol-Steroids in Vitamin D2.

Mittlerweile kann Vitamin D3 aus veganen Quellen synthetisch hergestellt werden. Dies sorgte für eine kleine Revolution auch auf dem humanen Supplement-Markt.

 

vitamins

 

Nun heißt es jedoch in Diskussionen um die (vegane) Katzenernährung immer häufiger: Katzen könnten das Vitamin D2 gar nicht verwerten. Ihnen fehle ein Enzym. – Was ist da dran?

Die Doktorarbeit zur vergleichenden Untersuchung verschiedener Studien über den Vitamingehalt in Futtermitteln für Katzen, Hunde und Pferde fasst zusammen:

Vitamin D2 = Ergocalciferol
Vitamin D3 = Cholecalciferol

Eine weitere Fragestellung in diesem Zusammenhang ist, ob Ergokalziferol und Cholekalziferol bei den hier untersuchten Tierarten die gleiche Wirksamkeit besitzen, da beispielsweise beim Geflügel Ergokalziferol unwirksam ist. Während ARNOLD und ELVEHJEM (1939) beim Hund eine gleichermaßen gute Wirkung der beiden D-Vitamine postulierten, bemerkte MORRIS (2002) bei Katzen, dass Cholekalziferol im Vergleich zu Ergokalziferol zu einem höheren Spiegel an 25-Hydroxy-Vitamin D im Plasma führte [Hervorhebung: vegan dharma]. HARRINGTON und PAGE (1983) verzeichneten bei einer vergleichenden Untersuchung der toxischen Wirkungen von Vitamin D2 und Vitamin D3 bei Pferden, dass durch die gleiche Menge Vitamin D3 schwerere Symptome ausgelöst werden, was auf eine höhere Wirksamkeit dieser Form hindeutet.

Quelle: Valerie Gertrud Senger – Doktorarbeit: „Wissenschaftliche Bewertung des Einsatzes von Vitaminen und ausgewählten Antioxidanzien in der Ernährung von Katzen, Hunden und Pferden: Anspruch und Wirklichkeit

Schaut man in die Studie von MORRIS darf man lesen:

Discrimination against ergocalciferol by cats appears to result from differences in affinity of the binding protein for the metabolites of the two forms of vitamin D. These results indicate that cats discriminate against ergocalciferol, and use it with an efficiency of 0.7 of that of cholecalciferol to maintain plasma 25-hydroxyvitamin D concentration.

Quelle

D.h. dass die Verwertbarkeit von D2 gegenüber D3 um 30% geringer ist. Mit nichten also „fehlt irgendein Enzym“ zur Verwertung oder „kann D2 überhaupt nicht verwertet werden“.

Die Debatte über D2 vs. D3 wurde auch in der Humanernährung geführt. Hier wurde ebenso behauptet, D2 wäre weniger effektiv. 2008 konnte in einer Studie nachgewiesen werden, dass sowohl D2 als auch D3 das gleiche Potential haben den 25-Hydroxy-Vitamin D-Spiegel zu halten. 

 

Vorsicht vor Überdosierung

Mangelerscheinungen sind beim Einsatz von veganen Fertigfuttermitteln und empfohlener Verzehrmenge nicht zu erwarten. Auch wenn es sich um das weniger aktive Vitamin D2 handelt. Mit der Supplementierung von Vitamin D3 kann man hingegen viel verkehrt machen. Da dies die aktivere Form von Vitamin D ist, treten hier schneller Vergiftungserscheinungen (Intoxikationen) auf. Dies kann zu einem erhöhten Kalziumgehalt im Blut (Hyperkalzämie) über eine Anreicherung von Kalzium im Weichgewebe bis hin zum Tod führen.

Mangelerscheinungen ließen sich in der traurigen Experimentalstudienwelt nur durch Vitamin D bereinigtes Futter herstellen, bei dem sich zusätzlich zeigte, dass es zu Spontanheilungen kam, als die Katzen als ausgewachsen galten – was wiederum den geringeren Bedarf bei erwachsenen Katzen bestätigte.

 

Titelbild von Colin Dunn