Heiß ging es her Ende Februar 2014. Frisch gedruckt erschien in der 03/2014 Ausgabe der Zeitschrift von Stiftung Warentest eine Testreihe zu 33 Katzen-Nassfutter, das als Alleinfutter ausgewiesen war. Da bot es sich doch an, ebenso das Nass- und Alleinfutter der vegetarischen Firma Benevo Foods zu untersuchen.

Und was kam heraus? Huhn!

test032014benevo

Eine Woche später schrieb die Stuttgarter Zeitung:

…das von der Stiftung Warentest ebenfalls geprüfte Futter Benevo Duo Complete Food für Katzen und Hunde. Gut für die Katze: Es hält nicht, was es dem Menschen verspricht. In Laboranalysen ließ sich sehr wohl Huhn als tierische Zutat nachweisen.

Wir kehren also zurück auf „Start“ und sammeln keine Punkte ein. Oder doch?
Auf der einen Seite ist es eine traurige Situation, die unreflektierte und vor Unkenntnis strotzende Meinung zu veganem Katzenfutter in immer mehr Medien vergegenwärtigt zu bekommen. Auf der anderen Seite sind mir solch Phasen sehr gut bekannt: Sie leiten öffentliche Diskussionen ein, die Schritt für Schritt eine Aufklärung und Transformation der Thematik folgen lassen. Also, nehmen wir es an und bereiten den Weg für ein ehrliches Gespräch.

Die Reaktion der Presse ist eine Sache – die andere ist die Frage, wieviel Wahrheit und welche Konsequenzen der Benevo-Test hat. Hier geht es um das Vertrauen von Veganern gegenüber Herstellern veganer Produkte, um Qualitätssicherung und die Kriterien veganer Produkte.

 

Testergebnis vs. Firmenvertrauen

Zur Stiftung Warentest fasst wiwo.de zusammen

Kaum ein Volk ist so versessen auf Testurteile wie die Deutschen. Millionen deutscher Verbraucher kaufen nichts, bevor sie nicht wenigstens einen der unzähligen Verbrauchertests gecheckt haben. […] Die Stiftung Warentest, das bekannteste Qualitätssiegel in Deutschland, wurde 1964 gegründet. Sie besitzt einen staatlichen Auftrag und wird mit Steuergeldern gefördert. Ihr Urteil entscheidet über Wohl und Wehe der nehr als 2.500 von ihr geprüften Waren, Marken und Dienstleistungen. Die Testurteile der Stiftung sind über jeden Zweifel erhaben. Klagen gegen ein Testergebnis sind praktisch zwecklos, denn noch nie wurde die Stiftung auf Schadenersetz (sic!) verurteilt.

Doch es gibt sie, die angebrachte Kritik. So wird vielfach bemängelt, dass die herangezogenen Bewertungskriterien mitnichten jene seien, die tatsächlich qualitätsentscheidend seien. Bemängelungen dessen reichen von Kameratests bis hin zur Aromenherstellung. Im Falle letzterer hat Stiftung Warentest im Januar 2014 eine erste Niederlage vor Gericht zu verzeichnen. Im „Schokoladenstreit“ gegen Ritter Sport hat Stiftung Warentest zwar sofort Berufung eingelegt, doch ist der Kern der Anklage die assoziative Herleitung Stiftung Warentests von Fakten zu scheinhaften Absolutionen. Im Falle Ritter Sport schloss man aufgrund der Molekülstruktur des Aromastoffes auf eine künstliche Synthese, weil den Laboranten des Testes sowie Stiftung Warentest selbst kein anderes Verfahren außer ebensolches bekannt ist – Ritter Sport besteht auf der Herstellung laut Richtlinien für natürliche Aromastoffe. Das sind Einzelheiten, doch schwerwiegend sind die Verallgemeinerungen von Stiftung Warentest. Die sind im Zuge des freien Journalismus begrenzt möglich, solange sie nicht die Rechte der Firma verletzen. Mit den wenigen Worten, die Stiftung Warentest zu Benevo Duo abdruckte, haben sie genau dies wiederholt. Höchstwahrscheinlich wurde ein Test mit PCR auf Huhn SRT durchgeführt, der zu dem qualitativen Ergebnis kam, das Huhn drin ist. Man darf zu dem Test wissen, dass er hochgradig sensibel ist, also bei absolut minimalen Spuren ein positives Ergebnis liefert. Dass Stiftung Warentest aufgrund dieses Testes auf die bewusste Zugabe von „Huhn“ durch die Firma Benevo  Foods schließt, ist absolut fahrlässig. Der Test kann sowohl bei Laborverunreinigungen als auch bei Herstellungsverunreinigungen dieses Ergebnis liefern. Und genau hier liegt der eigentliche Knackpunkt.

 

Benevo Duo aus der Fleischfabrik

In dem von Vegeco veröffentlichten 16-seitigen Statement zum Test (pdf) kommen viele interessante Punkte ans Tageslicht. Vegeco Ltd. ist der offizielle Vertreiber von Benevo und Ami mit seiner Zentrale in Großbritannien. Da Vegeco in dem Statement aber alles auf sich bezieht, darf wohl davon ausgegangen werden, dass Vegeco = Benevo Foods ist. Hier eine Zusammenfassung wichtiger Passagen aus dem Statement:

  • Vegeco hat von dem Test seit November 2013 gewusst.
  • Vegeco versuchte Stiftung Warentest zu kontaktieren, um mehr über das Testverfahren herauszubekommen. Die Kommunikation war erschwert, da hier deutsch gegen englisch geredet wurde. Stiftung Warentest gab keine Auskunft zum Testverfahren. Vegeco betont selbst Tests durchzuführen und hat solche Ergebnisse noch nicht gesehen.
  • Die Nachfrage Vegeco’s bezüglich der Chargennummer wurde von Stiftung Warentest negativ beantwortet: Man erwarte gleichbleibende Qualität und gebe auch zum Schutze des Verfahrens keine Chargennummern heraus. Vegeco ist darüber bestürzt, weil es betont, dass im Zuge des Schutzes der Käufers jene Charge durchaus auch von Vegeco getestet werden sollte und im Falle einer Bestätigung diese Charge zurückgerufen werden sollte.
  • Vegeco spekuliert über die Verunreinigung beim Test, da parallel dazu ja 32 andere Katzenfutter getestet wurden. Außerdem schließen sie es nicht aus eine Verunreinigung in ihrer Produktion erfahren zu haben. Benevo Duo wird in einer Fabrikhalle hergestellt, die zu anderen Zeiten auch Fleischprodukte herstellt. Es könnte demnach auf dem Transportband oder sonstwo etwas Huhn verblieben sein. Es gäbe leider noch keine vollständig veganen Fabrikhallen-Mitnutzungen.
  • Vegeco freut sich im Vergleich zu seiner Fleisch-Konkurrenz der großartigen Transparenz der Inhaltsstoffe, in deren Angabe z.B. nicht mit dubiosen „Nebenerzeugnissen“ hantiert wird.

Vegeco vergleicht sich jedoch nicht mit seiner eigentlich veganen Konkurrenz. So findet sich auf Benevo Duo Dosen überhaupt keine Inhaltsstoffangabe zu Arachidonsäure. Laut Test und eigenen Werbeangaben ist es jedoch enthalten. Auch solch unglückliche Formulierungen wie „veganes Taurin“ aus Vegeco’s Werbetexten sind schwierig, da es wenn dann nur synthetisches Taurin für den veganen Markt gibt, das aus pflanzlichen Rohstoffen dargestellt wird. Zu guter Letzt müsste im Zuge einer Transparenz doch eine Notiz auf der Verpackung verkünden:

Kann Spuren von Huhn enthalten*

* und evtl. Weiteres

 

Dann kann man sich individuell fragen, ob man jenes Produkt unter diesen Bedingungen kaufen möchte.

Schließlich geht Vegeco auf die häufig gestellte Frage in Reaktion auf den Test ein, die da lautet: „Werdet ihr Stiftung Warentest verklagen?

Die Antwort ist nein, man habe kein Geld (gegen eine staatlich unterstützte anerkannte Organisation zu klagen) und überhaupt würde das eine Ewigkeit in Anspruch nehmen ehe eine offizielle Aufklärung geschehen würde. Dass es schnelle Reaktionen gibt, zeigt ebenso der Fall Ritter Sport: Die unglücklichen Formulierungen erschienen in der Ausgabe 12/2013 und sind in einem einstweiligen Verfügungsverfahren im Januar 2014 verhandelt worden. Die Aufklärung ging danach durch die Presse und Stiftung Warentest versucht nun im folgenden Klageverfahren ihre Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Natürlich zieht eine einstweilige Verfügung einen Klage-Zugzwang nach sich, der zunächst (vor dem sicheren Gewinn) kostspielig ist. Ich bin mir sicher, dass es Mittel und Wege für Vegeco gäbe, diese Konfrontation für sich zu nutzen. Mit Sicherheit würde sich ein überzeugter Veganer und Anwalt finden oder eine engagierte finanzkräftige öffentliche Person gewinnen lassen, die dieses gewinnversprechende Verfahren initial unterstützen würde.

vegeco_marken

Neben dem Export des wahrscheinlich eigenen Benevo vertreibt Vegeco auch die Marke Ami.

Update Mai 2014

Mittlerweile ist der Aufschrei verpufft. Kein (mir bekannter) Veganladen hat Benevo Duo aus dem Sortiment genommen, Veganerinnen greifen selbstverständlich zu der einzigen veganen Nassfutterdose und einige Veganer aus meinem Bekanntenkreis haben sich davon verabschiedet, da das Vertrauen verloren gegangen ist (nicht zuletzt durch die Reaktion Vegecos). Gelegentlich hört man von dem Vorwurf aus Nicht-Veganer-Kreisen, gerade jetzt, wo das Thema vegane Katzenernährung immer weitere Kreise zieht. Hier ist individuelle Meinungsbildung gefragt, die meines Achtens nicht gut zur Aufklärung, dass Katzenernährung vegan tatsächlich möglich ist, beiträgt.